Kümmert sich Deutschland zu wenig um Obdachlose? - Politik & Umwelt

DMW007 - Projektleitung 11.07.18 21:19
Galileo hat vor ein paar Monaten ein Video online gestellt, bei dem 10 Fragen an eine Gruppe von 5 Obdachlosen gestellt wurden. Alle 5 hatten ein Tief in ihrem Leben, dass sie in die Obdachlosigkeit gebracht hat. Vom klischeehaften drogenabhängigen Bettler der sich mit kriminellen Kleingeschäften über Wasser hält, kann bei keinem der fünf Personen die Rede sein.

Der Beitrag regt zum Nachdenken an und ich habe mir die Kommentare durchgelesen. Zusammengefasst vertreten die Meisten folgende Meinungen:

1. Die Flüchtlinge werden mit Geld überschüttet, aber Arme Deutsche auf der Straße bekommen nichts => Man müsste das ändern
2. Solidarität mit den Menschen auf der Straße
3. Man regt sich darüber auf, dass der Sozialstaat diesen Obdachlosen anscheinend nicht hilft

Mich hat erschreckt, dass einige gegen Flüchtlinge hetzen, als gäbe es keine Menschen. Von denen kam meist diese entweder-oder Vergleiche, bei denen die Bettler alles und die Flüchtlinge nichts bekommen sollten. Dieser Vergleich erscheint mir aber sehr undifferenziert. Sicher gibt es schwarze Schafe unter den Flüchtlingen - aber wo gibt es die nicht? Auch Obdachlose sind sicher nicht alle wie in dem Video. Dort sind auch Kriminelle dabei, die keine Lust haben sich um ihre Zukunft zu kümmern, und stattdessen mit kleinen Verbrechen sich Geld für Drogen, Waffen etc. aneignen.

Auch wenn ich diese Vergleiche mit Asylanten ungerne ziehe, stellt sich mir doch die Frage: Wird sich tatsächlich besser um Flüchtlinge gekümmert, als um Obdachlose? Wenn ja warum? Verspricht sich die Politik dadurch minderwertige Arbeiter, die jene schlecht bezahlte Jobs machen, wozu immer weniger Deutsche bereit sind? Wäre dieses Ziel nicht auch mit zumindest einem Teil der Obdachlosen realisierbar?

Und warum kann es überhaupt sein, dass Menschen auf der Straße leben (müssen)?
In einem Sozialstaat wie Deutschland müsste der Staat doch entsprechende Hilfeeinrichtungen bereitstellen, sodass Obdachlose zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf bekommen, bis ihre Probleme geklärt sind.
Es scheint mir schwer vorstellbar, dass es da keinen anderen Weg gibt, als monatelang auf der Straße zu leben, bis das Sozialamt sich bequemt einem die Sozialhilfe zu gewähren :8

Wer den Beitrag anschauen möchte findet ihn hier:

Darkfield - Moderation 12.07.18 06:06
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Im Gegensatz zu den "Flüchtlingen" haben Obdachlose nur eine schwache Lobby - zudem wollen sich Politiker nicht mit abgerissenen Menschen ablichten lassen,
da ist es populistisch wirksamer neben traurig blickende Flüchtlingskinder zu Posen!
Fritz - Moderation 15.07.18 09:41
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"Personen, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind, sind Leistungen zur Überwindung dieser Schwierigkeiten zu erbringen, wenn sie aus eigener Kraft hierzu nicht fähig sind." § 67 SGB XII

"...die Unfähigkeit zur Veränderung führe zum Verlust der Handlungsfähigkeit." www.brandeins.de

Oftmals sind es Menschen die von Veränderung im Leben buchstäblich überrannt werden und anstatt auf die Veränderung zu reagieren, ziehen sich diese Menschen zurück und zeigen keinerlei Reaktion. Oftmals trauen sich die Menschen nicht Leistungen des Staates oder Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In Deutschland sind Hilfsorganisationen da, der Staat stellt Geld für die Obdachlosen bereit. Einigen Menschen fällt das allerdings schwer, sich aufzuraffen um Hilfe bei einer Hilfsorganisation oder Behörde zu bitten und an der eigenen Situation etwas verändern.
DMW007 - Projektleitung 03.09.19 13:35
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Deutschland ist ein Sozialstaat. Das Netzwerk der Sozialfürsorge über staatliche, lokale und kirchliche Stellen ist dichter verflochten als in den meisten vergleichbaren Wohlstandsgesellschaften. Die Wirtschaft brummt weiter, die Arbeitslosigkeit liegt auf einem historischen Tiefpunkt von unter sechs Prozent, die Energie- und Lebensmittelpreise sind niedriger als in vielen anderen europäischen Ländern.

Aber Armut gibt es in Deutschland, wenn auch ohne Slums - denn fließendes Wasser, Strom, Kanalisation und Müllabfuhr sind schon in den einfachsten Unterkünften selbstverständlich. Derzeit sind in Deutschland rund 860.000 Menschen obdachlos, nach Schätzungen des Bundesverbandes zur Unterstützung der Obdachlosen (BAG W.) Einige leben auf der Straße, aber mehr als 800.000 bleiben bei Freunden oder übernachten in Notunterkünften. Etwa 52.000 Menschen in Deutschland leben auf der Straße, ohne ein Dach über dem Kopf - das sind insgesamt sechs Prozent der als obdachlos geltenden Menschen.

Rund 440.000 Flüchtlinge haben einen Rechtsanspruch auf eine Wohnung. Derzeit sind sie noch in Massenunterkünften untergebracht. Frauen, Familien und Migranten sind am stärksten betroffen. Sie laufen häufiger Gefahr, das Dach über dem Kopf zu verlieren, auch wenn es sich um gemietete Wohnungen handelt. Der Rückzug des Staates aus dem geförderten Wohnen ist einer der Gründe. Allein in Westdeutschland gab es vor dreißig Jahren vier Millionen mietkontrollierte Wohnungen. Heute ist diese Zahl in einem viel größer gewordenen Deutschland auf 1,3 Millionen gesunken. Erschwingliche Wohnungen sind selten; der Markt bestimmt die Preise.

Genau hier finde ich kümmert sich Deutschland zu wenig um Leute, die sich eine Wohnung zu "normalen" Preisen zwar noch leisten könnten, aber es aufgrund der explodierenden Mietpreise eben nicht mehr können. Auch das ist ein zunehmender Grund für Obdachlosigkeit! Wenn es so weiter geht, werden wir in einigen Jahren sicher ähnliche Verhältnisse wie in US-Amerikanischen Großstädten bekommen. In NYC z.B. sind viele arbeitende Menschen obdachlos, weil die Preise dort völlig unbezahlbar geworden sind.
raspberry - 04.06.21 12:41
Durch Corona ist die schlechte Lage noch weit schlimmer geworden. Das wurde bereits 2020 festgestellt. Zum einen fallen Möglichkeiten zum Duschen oder Essen beziehen weg. Aber es ist auch fraglich wohin ein Obdachloser im Lockdown geht wenn er kein zuhause hat. ZDF Berichtet: Obdachlose durch Corona zunehmend bedroht.
Wie kann sich Deutschland guten Gewissens als Sozialstaat bezeichnen wenn solche Zustände herrschen?
Fritz - Moderation 05.06.21 10:53
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Egoismus und Eigenliebe lässt die schwächsten Menschen vergessen: Die Menschen sind so sehr damit beschäftigt mit den Veränderungen in der Pandemie zurcht zu kommen, dass sie die schwächsten Mitmenschen vergessen.

In unserer Konsumgesellschaft werden die Menschen von klein auf mit starkem Ego erzogen indem man die Kinder lernt, dass sie immer besser als die anderen sein müssen. So kommt es dass 3jährige im Kindergarten fast bis 20 zählen aber kein Bild malen können. Eigenliebe ist für den Wettbewerb in unserer Gesellschaft eine sehr starke Antriebsfeder und wird als stärke bewertet. Dagegen wird eine die Gesellschaft betreffende Beschäftigung (soziales Engagement) als schwäche bewertet. Aus diesem Grund werden Soziale Berufe schlechter bezahlt.

Die Krise der Pandemie ist jeder Mensch sich selbst der Nächste und lässt Mitmenschen vergessen. Erkennbar ist das an den Menschen die mit vorgeschobenen Argumenten die Impfreihenfolge überspringen um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Ein ehemaliger Obdachloser sammelt fast 170 000 Euro für die Menschen auf der Straße – um damit Hamburgs ersten mobilen Dusch-Bus zu finanzieren. Malteser

Hase - 05.06.21 17:46
Deutschland kümmert sich viel zu wenig um die Obdachlosen.
Man könnte meinen, dass die Bundesregierung sich mehr um die Flüchtlinge kümmert und die Obdachlosen werden unter die Bevölkerung gekehrt.
Somit ist die Bevölkerungschicht unter den anderen und man sieht sie nicht.
Es gibt viele Leute die arbeiten ehrenamtlich und betreuen die Obdachlosen reden mit ihnen und Spielen spiele mit ihnen.
Ein Youtuber den hat eine Geschichte von einem Jungen Obdachlosen so berührt dass er 500.000 Euro für den Obdachlosen gesammelt hat.
Der Youtuber hat ihm geholfen eine Existenz aufzubauen.
Das finde ich so toll, dass es manche Menschen gibt die solchen Menschen helfen.
Denn manche Obdachlose sind gebildet sie haben Dr. Tiltel oder sind Professoren.
Das diese Leute Obdachlos werden hat ein Schiksalsschlag im Leben eine Rolle. Diese Leute bekommen ihr Leben geregelt und gehen unter und dann sind sie Obdachlos.

Was meint ihr dazu?
DotNet - 05.06.21 22:43
@Hase wie begründet du es, die Regierung würde sich mehr um Flüchtlinge kümmern? Auch bei der Flüchtlingswelle ab 2015 war vieles nur durch freiwillige Helfer möglich. Das ist ein großer Kritikpunkt an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für mich sieht es aus, als ob die Regierung sich nicht genug um Obdachlose und Flüchtlinge kümmert. 
Die sind ja auch nicht immer zu trennen. Wenn jemand nach Deutschland kommt kann er auch Obdachlos sein. Ist bei den teils extrem unwürdigen Lebensumständen in den Obdachlosenunterkünften auch nicht zu verdenken
diegutestute - 08.06.21 17:21
@Hase wie begründet du es, die Regierung würde sich mehr um Flüchtlinge kümmern? Auch bei der Flüchtlingswelle ab 2015 war vieles nur durch freiwillige Helfer möglich. Das ist ein großer Kritikpunkt an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für mich sieht es aus, als ob die Regierung sich nicht genug um Obdachlose und Flüchtlinge kümmert.
Die sind ja auch nicht immer zu trennen. Wenn jemand nach Deutschland kommt kann er auch Obdachlos sein. Ist bei den teils extrem unwürdigen Lebensumständen in den Obdachlosenunterkünften auch nicht zu verdenken
Ich stimme zu 100% mit dir bzw. deiner Meinung überein. Manchmal ist es schwer zwischen Obdachlosen und Flüchtlingen zu differenzieren. Sobald man in ein anderes Land kommt ohne irgendetwas zu haben, landet mal schon mal schnell auf der Straße ohne etwas dagegen machen zu können.
Ich denke, dass sich generell mehr um Menschen gekümmert werden sollte, die sehr wenig bis gar nichts haben. Zudem wenn es schon Obdachlosenunterkünfte gibt, sollten diese doch wenigstens lebenswürdig gestaltet sein. Was man dort teilweise sieht ist erschreckend. Die Regierung kümmert sich teilweise viel zu wenig um seine BürgerInnen, zu denen nun mal sowohl Obdachlose als auch Geflüchtete aus anderen Ländern kommen. Alle sollten das Recht haben auf ein Zuhause oder eine Unterkunft, wo sie wie Menschen behandelt werden und sich wohlfühlen können.
Bocuse2015 - 08.06.21 21:43
Es ist ein sehr schweres Thema,es gibt viele Obdachlose die obdachlos bleiben wollen.Viele aber die es nicht schaffen aus dem Kreislauf auszubrechen bekommen zu wenig Vertrauen Hilfe oder sind abhängig.Flüchtlingen dagegen wird sehr viel gewährt, unlängst erst in nrw wurden mehrere Wohneinheiten für Flüchtlinge gebaut mit Spielplatz,Zaun außen sowie einem Hausmeisterservice.6.000 der 2015 Flüchtlinge wurden bereits mit einem deutschen pass ausgestattet, was ich absolut nicht verstehen kann. Über dies Thema kann man Tage diskutieren.Eins ist klar, und wurde gesagt uns fehlen Fachkräfte, was mit Flüchtlingen nicht zum abdecken ist da die meisten dieser Kultur so wie wir arbeiten gehen kennen nicht kennen uvm. Eine Integration mit Flüchtlingen jenseits Anatolien kann in Europa nicht funktionieren, sagte schon Helmut Schmidt und er hatte recht.

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